Haser ist Landtagskandidat der CDU - 29.6.15

Raimund Haser steht auf einem Stuhl, als er sich bei seinen Anhängern jubelnd bedankt. Foto: Jan Peter Steppat

Seiteneinsteiger setzt sich knapp gegen den politikerfahrenen Christian Natterer durch

Von Jan Peter Steppat

Wangen - Rund 600 CDU-Mitglieder haben am Samstag den 39-jährigen Raimund Haser aus Kißlegg als Bewerber für den Wahlkreis Wangen-Illertal für die Landtagswahl im März 2016 nominiert. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen setzte er sich im dritten, entscheidenden Wahlgang gegen den 34-jährigen Wangener Christian Natterer mit 51,7 Prozent der Stimmen durch.

Nach den ersten beiden Runden war der dritte Kandidat, Wolfram Dreier aus Wangen, ausgeschieden. Bereits hier hatten Haser und Natterer mit großem Abstand und fast gleichauf vorn gelegen, jeweils allerdings mit einem ganz leichten Stimmenvorteil für Haser. Dennoch erreichte keiner die erforderliche Mehrheit von mehr als 50 Prozent.

Die CDU-Nominierung war im Vorfeld mit Spannung erwartet worden, da sich in dem gut dreimonatigen parteiinternen Wahlkampf nach der Rückzugsankündigung des bisherigen CDU-Landtagsabgeordneten Paul Locherer kein Favorit herauskristallisiert hatte. Entsprechend mobilisierte die samstägliche Kandidatenkür in Vogt die CDUler. Mehr als 600 der 1729 Mitglieder im Landtagswahlkreis strömten in die Sirgensteinhalle. Wegen des Andrangs begann die eigentlich auf 9.30Uhr terminierte Veranstaltung rund eine halbe Stunde später als geplant.

20-minütige Vorstellungen
In den jeweils 20-minütigen Vorstellungsreden setzten Natterer, Haser und Dreier (diese Rede-Reihenfolge hatte das Los entschieden) inhaltlich vielfach ähnliche Schwerpunkte. Bildung, Innere Sicherheit, Finanzen, die Entwicklung des Ländlichen Raums und die Verkehrspolitik waren es etwa bei Christian Natterer. Raimund Haser legte einen zusätzlichen Akzent bei der Gesellschaftspolitik und die Debatte um die sexuelle Vielfalt. Wolfram Dreier sprach vornehmlich die Wirtschaftspolitik, Schule und Bildung sowie die Landwirtschaft und die Energiepolitik an. Gemein waren allen drei Reden Angriffe auf die grün-rote Landesregierung.

Persönlich bekannte Christian Natterer zu Beginn: "Ich glaube, ich war in meinem Leben selten so nervös wie heute." Er warb auch um die Gunst der Mitglieder durch Verweis auf seine langjährige Arbeit in der Politik: "Meine gute Vernetzung in Land und Bund könnte ich gewinnbringend für die Region einbringen", sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der Jungen Union.

Der erst im vergangenen Sommer in die CDU eingetretene Raimund Haser verglich seinen beruflichen Werdegang als Journalist und Inhaber eines Kommunikationsunternehmens mit der Politik. Zwischen beiden Feldern gebe es Parallelen: "Ich gehe hin und höre zu." Um Vertrauen warb er mit dem Schlusssatz: "Ich stehe Ihnen mit Herz, Grips und Einsatz zur Verfügung."

Auch Wolfram Dreier leitete aus seinem beruflichen Werdegang seine Kompetenz her. Unter anderem als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung im Kreis und als Vorstandsmitglied der Schnell AG habe er seit Jahren mit dem "Spannungsfeld" Unternehmen, Politik und Hochschulen zu tun. Zudem sei das Abgeordnetenmandat für ihn "nicht die Sprosse auf der Karriereleiter."

Nicht nur an der Intensität des Beifalls zeigte sich, dass Haser die beste und feurigste Rede das Kandidatentrios gehalten hatte. Als am frühen Nachmittag die Entscheidung gefallen war, bekannten CDU-Mitglieder, dass für sie die Qualität der Vorstellung letztlich den Ausschlag für ihre Entscheidung pro Haser gegeben habe.

Vorher war die Spannung in der Sirgensteinhalle greifbar. Zwischen den Wahlgängen mochte keiner Wetten darauf eingehen, wer sich am Ende durchsetzen könnte. Denn Haser hatte in der ersten Runde 41,6 Prozent erreicht, Natterer landete mit gerade einmal acht Stimmen weniger bei 40,3 Prozent. Klar war da nur: Wolfram Dreier lag abgeschlagen auf Platz drei und hatte mit 18,1 Prozent keine Chance mehr.

Dennoch kandidierte er für den zweiten Wahlgang erneut. Hier ließ er erwartungsgemäß Federn und kam nur noch auf 9,2 Prozent. Für die im dritten Wahlgang anstehende Stichwahl war Dreier damit aus dem Rennen. Für den Zweikampf zwischen Haser und Natterer hatten Dreiers Verluste dennoch keine Aussagekraft: Beide trennten jetzt nur noch sieben Stimmen. Haser kam auf 46, Natterer auf 44,8 Prozent.

Die Entscheidung musste also in der Stichwahl fallen. Der scheidende Abgeordnete Paul Locherer bekannte angesichts der Konstellation: "Sowas habe ich selten erlebt." Selten erlebt hat die CDU aber auch, was dann passierte: Mit Raimund Haser setzte sich ein politischer Seiteneinsteiger gegen einen Mann wie Christian Natterer durch, der seit gut 15 Jahren für die CDU in zahlreichen Ämtern und Mandaten aktiv ist.

19 Stimmen entscheiden
Als der Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß das Ergebnis mit einem Vorsprung von 19 Stimmen verkündete, brandete Jubel unter den Haser-Anhängern auf. Dieser sprang auf einen Stuhl, um sich zu bedanken. Und später rang er nach Worten: "Ich bin überwältigt und sprachlos."

Zum Wahlkreis Wangen gehören: Achberg, Aichstetten, Aitrach, Amtzell, Argenbühl, Aulendorf, Bad Waldsee, Bad Wurzach, Bergatreute, Isny, Kißlegg, Leutkirch, Vogt, Wangen, Wolfegg, Berkheim, Dettingen, Erolzheim, Kirchberg, Kirchdorf, Rot an der Rot und Tannheim.


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Ausgabe Wangen - 29.6.2015