Politisches zur Fastenzeit in Berkheim - 23.2.15

Wolfgang Bosbach - Foto: Siegfried Rebhan

Meister der pointierten Verknappung
Politisches zur Fastenzeit - Wolfgang Bosbach stößt mit einfachen Worten auf offene Ohren in Berkheim

Von Verena Kaulfersch

Berkheim "Die politische Arbeit wird nicht besser, wenn wir Politiker schlechte Laune haben." Hierfür stand CDU-Mann Wolfgang Bosbach in Berkheim ein: An ernsten Themen - vom Ukraine-Konflikt bis zur Schuldenkrise in Griechenland - fehlte es dem Bundestagsabgeordneten nicht bei seinem Auftritt in der Festhalle. Mit trockenem Humor sorgte er trotzdem für schmunzelnde Zuhörer.

Auf Einladung der CDU-Ortsverbände des Iller- und Rottals sprach der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag bei einer politischen Veranstaltung zur Fastenzeit. Bosbach enttarnte sich selbst augenzwinkernd als "Mitglied im Verein für offene Aussprache" und als "Karnevalist". Kein Wunder also, dass die Atmosphäre vor allem zu Beginn der eines Kabarettabends ähnelte. Eine eindeutige Haltung nahm Bosbach mit Blick auf die Terrordrohungen während des Karnevals ein. So müsse man auch in ernsten Zeiten fröhlich sein können. "Wir dürfen uns Gewalt und Terrorismus nicht beugen."

Der Rheinländer demonstrierte, warum er zu den Stammgästen bei Fernseh-Diskussionsrunden zählt, und verstand es, sich Sympathien zu sichern. Ein Vertrauensbekenntnis in die junge Generation, ein Hohelied auf den Mittelstand und ein Plädoyer für die Liebe zu Deutschland als Heimat: Diese Botschaften kamen an und Bosbach verlieh ihnen aufrichtigen Klang.

Klare Positionen

Dank seiner Fähigkeit zur pointierten Verknappung blieben seine Ausführungen verständlich - egal, ob zu internationalem Wirtschaftswettbewerb oder Islamismus: "Wenn Sie einen Politiker hören, der kompliziert redet, dann ist das kein Intellektueller. Der hat"s nur nicht verstanden." Bosbachs Positionen dagegen waren klar. Den Satz "Der Islam gehört zu Deutschland" wollte er nicht unterschreiben: "Deutschland hat keine islamische kulturelle Prägung, sondern eine christlich-jüdische." Er warnte vor einer Gleichsetzung von Islam und Islamismus, betonte aber auch, dass ein Zusammenleben nur funktioniere, "wenn sich alle an die Spielregeln halten. Das kann in Deutschland nur die Rechts- und Werteordnung der Bundesrepublik sein".

Mit Blick auf die Flüchtlingsthematik wies Bosbach Vorwürfe von Abschottungspolitik zurück: Allein im Jahr 2014 hätten Deutschland und Schweden gemeinsam "so viele Flüchtlinge aufgenommen wie die anderen 26 Staaten der Europäischen Union zusammen". Unabdingbar sei es, dass Asylverfahren verkürzt werden und "die Finanzmittel in den Kommunen ankommen, wo sie gebraucht werden".

In punkto griechische Schuldenkrise sprach sich Bosbach dagegen aus, den Zusammenhang von Handlung und Haftung aufzugeben: "Wenn wir das tun, wird es Länder geben, die Risiken eingehen, wie sie es sonst nie tun würden." Kein Land dürfe für die Verbindlichkeiten eines anderen Landes haften.

Anekdoten aus der Kindheit
Mit Scherzen lockerte Bosbach seine Ausführungen auf, durch eingestreute Anekdoten aus der eigenen Kindheit oder seinem Leben als Familienvater wirkte er nahbar und bodenständig. Überraschungen oder tiefere Einblicke in die Innenpolitik bot sein Vortrag aber nicht. Am Ende stand ein Appell für Zuversicht: "Es ist immer noch ein Glück, in Deutschland geboren zu werden und hier leben zu dürfen."


Erscheinungstag: 23.02.2015 - Zeitung: AZ : B-ME - Seite: 30
(Mit freundlicher Genehmigung der Memminger Zeitung)