Wolfgang Bosbach in Berkheim - 23.2.15

Wolfgang Bosbach: "Es geht um Vertrauen"
Der Politiker ist der Festredner beim politischen Fastendonnerstag der CDU in Berkheim

Von Michael Mader

Berkheim - Der langjährige Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Innenausschusses, Wolfgang Bosbach, hat beim politischen Fastendonnerstag der CDU-Ortsverbände Rot- und Illertal in der Berkheimer Festhalle seine Partei zu Geschlossenheit und zum Mut für die Gestaltung der Zukunft aufgefordert.

Bosbach hat kein Redemanuskript vorbereitet. Der 62-Jährige redet so, wie man ihn aus unzähligen Debatten und besonders aus Fernseh-Talkshows kennt: Kein Blatt vor den Mund nehmend und immer seinen politischen Überzeugungen folgend.

Bosbach hat was zu sagen
Bosbach ist ein Konservativer in der CDU, der an diesem Abend zum ersten Mal in Berkheim ist. Angereist aus seiner Heimat Bergisch-Gladbach geht es noch am Abend zurück, bevor es dann am Wochenende wieder nach Neu-Ulm und dann zur Sitzungswoche nach Berlin geht.

Bosbach hat was zu sagen. Die Menschen im vollen Saal hängen an seinen Lippen. Über eine Stunde lang. Sie verstehen, wenn Bosbach davon spricht, die Kluft zwischen Wählern und Gewählten kleiner zu machen. Es gebe keine Politikverdrossenheit, es gebe aber eine Parteienverdrossenheit. Daran müsse sich auch die CDU jeden Tag erinnern und sie wegarbeiten. Es gehe um Vertrauen zwischen Politik und den Bürgern.

Bosbach widmet sich dann der Flüchtlingsproblematik. Weltweit gebe es aktuell 50 Millionen Flüchtlinge. Deutschland zähle in Europa zu den Ländern, die am meisten dieser Menschen aufnehmen. In Polen oder Portugal sei dies gar kein Thema, das müsse man wissen. Und: Zuwanderung habe es immer gegeben.

"Ich erwarte von den Menschen, die zu uns kommen, dass sie sich an unsere Spielregeln halten", sagt Bosbach. "Wir wollen Integration und keine Parallelgesellschaft." Aber auch: Wer "Ausländer raus" rufe, sei nicht patriotisch, sondern idiotisch. Für dieses Jahr werden rund 300 000 Asylsuchende erwartet, bei rund 70 Prozent werde der Asylantrag abgelehnt. Bosbach fordert eine deutliche Beschleunigung der Asylverfahren. Das trage auch zu einem besseren Gefühl auf beiden Seiten bei.

Auch in Sachen Griechenland hat Wolfgang Bosbach eine klare Position, die nicht der Mehrheitsmeinung seiner eigenen Partei entspricht. Ganze zwölf Abgeordnete hätten das zweite Hilfspaket für Griechenland abgelehnt. Einer davon sei er gewesen. Auch in solchen Situationen sei es für ihn absolut notwendig, seine persönliche Sicht der Dinge und seine Haltung nicht aufzugeben. Fraktionszwang hin oder her. Griechenland müsse nach seiner Auffassung nach dem Motto Handlung und Haftung betrachtet werden. Wenn also griechische Großreeder dort steuerfrei blieben, sei dies Sache der Griechen und nicht Sache des europäischen oder deutschen Steuerzahlers.

Bosbach streift zum Schluss seiner kurzweiligen Rede noch die Themen Bildung und Energie. Bildung sei in einem rohstoffarmen Land das zentrale Thema für die Zukunft.

Nein zur Gemeinschaftsschule
Diein Baden-Württemberg auf den Weg gebrachte Gemeinschaftsschule lehnt Bosbach ab. Er spricht sich klar für das dreigliedrige Schulsystem aus, denn jedes Kind brauche seine individuellen Bildungschancen. Bei der Energie stellt Bosbach fest, dass die deutsche Industrie wie auch die Privathaushalte bezahlbaren Strom bräuchten. Das werde aber allein mit Wind, Sonne, Wasser oder Biomasse allein nicht gehen.

Zu guter Letzt bricht Bosbach eine Lanze für den Mittelstand. Familiengeführte Betriebe seien die Grundlage einer florierenden Wirtschaft in Deutschland.

Wolfgang Bosbach redet ohne Manuskript und mit Überzeugung. sz-foto: Michael Mader


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Ausgabe Biberach - 23.2.2015