"Soziale Defizite der Gesundheitspolitik" - 18.11.17

Eine Bestandsaufnahme von Stadtrat Dr. Hans-Walter Roth (CDU) aus Ulm

Die langjährige Fehlentwicklung unserer Sozialsysteme hat ohne jeden Zweifel Reformen nötig gemacht, um die Kostenexplosion aufzufangen. Dabei wurden seitens der verantwortlichen Politiker in Land und Bund jedoch ausschließlich nach wirtschaftlichen und eigennützlichen, nicht aber nach ethischen oder gar christlichen Aspekten entschieden.

Die Gesundheitspolitik zeigt in Deutschland Mängel. Das übliche Wahlversprechen, Kranke in unserem Land nach bestem medizinischem Standard zu versorgen, ist gescheitert. Praxen sterben, sie können nicht mehr qualifiziert besetzt werden. Kaum ein Beruf ist deswegen in den letzten Jahren so unattraktiv geworden wie der des Mediziners, das Überleben vieler Praxen, vor allem auf dem Land steht in Frage. Frustriert wendet sich der ärztliche Nachwuchs ab, er verlässt unser Land. Ärzte aus der Migration sollen ihre Plätze übernehmen.

Eine Ehrfurcht vor dem menschlichen Leben gibt es nicht mehr. Inzwischen werden in unserem Land weit mehr Abtreibungen auf Kosten der Versichertengemeinschaft vorgenommen als Kinder geboren. Junge Frauen erhalten die Antibabypille kostenlos, die Abtreibungspille, also auch die Pille danach, wie sie genannt wird, ist frei erhältlich, sie bedarf weder des ärztlichen Rates noch eines Rezeptes. Die erheblichen Kosten hierfür trägt der Beitragszahler.
Der Behinderte, auch der Sehbehinderte, wird von der Gesellschaft immer mehr benachteiligt, die Versorgung des alten Menschen wird dieser Tendenz folgen. Schon jetzt zeigen sich gerade auf dem Gebiet der Senioren in der medizinischen Versorgung und Pflege immer größere Defizite. In Altenheimen fehlt qualifiziertes Personal.

Keine Ehrfurcht mehr vor menschlichem Leben
Die Wartezeiten für eine Kinderbrille betragen schon bis zu zwei Jahren, in einigen Fachgebieten sind es inzwischen sechs Monate nur für den Arzttermin. Operationen werden entweder wegen der sogenannten Kostendämpfung hinausgezögert oder es werden Patienten über eine Krankschreibung so lange demobilisiert, bis wieder Therapeutika oder Operationen, gesetzlich budgetiert, zur Verfügung stehen. Immer häufiger melden die Apotheken, ein Präparat ist derzeit nicht lieferbar. Der Preis für Medikamente beträgt in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern ein Vielfaches. Die Pharmaindustrie sichert sich die Preisgestaltung,

Einnahmen aus Raucherwerbung und Tabaksteuer fließen in den Staatsetat. Für die AIDS-Prophylaxe werden immer weniger Mittel bereitgestellt, obwohl jeder einzelne Fall einer Neuerkrankung das Sozialbudget belastet. Auch die Kosten der durch eine politischen Fahrlässigkeit verschuldeten Erkrankungen bezahlt der Bürger über seinen Pflichtbeitrag: Man denke nur an den Dioxinskandal, den Rinderwahnsinn, Gift im Ei oder Umweltseuchen durch Insektizide. Kaum erforscht sind die Schäden, die durch Handys und Mobilfunkantennen oder radioaktiven Müll an unserer Gesundheit entstehen.

Der Staat selbst ist über die Steuereinnahmen der größte Gewinner an der Medizin. Jede Einmalspritze, jede Insulinampulle oder Impfung bringt Geld in die Tasche des Finanzministers. Auch beim Kauf einer Brille, eines Blindenstocks, Hörgerätes oder Stützstrumpfes und selbst des Blindenhundes bekommt der Staat einen Steueranteil.

Die Altersarmut nimmt stetig zu, die Inflation übersteigt weit die jährlichen Rentenanpassungen. Wer auf die Regierung vertraute und seine Ersparnisse fürs Alter als Rürup- oder Riesterrente anlegte wurde herb getäuscht. denn von dem, was da noch übrig bleibt, werden ihm außer den Steuern sogar noch anteilig Kassenbeiträge abgezogen, ohne dass er dafür mehr an Leistung erfährt. Selbst Vorsorgeuntersuchungen bezahlt ihm die Krankenkasse nicht.

Mehr zu diesem aktuellen Thema erfahren Sie „live“ von Dr. Walter Roth. Er ist Augenarzt, Leiter des Instituts für wissenschaftliche Kontaktoptik Ulm, CDU Stadtrat und stellvertretender Vorsitzender der CDU Fraktion im Ulmer Rathaus. Er kommentiert politische Themen in medizinischen Fachzeitschriften.