Protestantismus und Evolutionstheorie als Ursachen -

Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin erkennt in der Katholischen Kirche eine Krise

Margret Biechele, die Bezirksvorsitzende der CDL, und Graf von Brandenstein-Zeppelin.  Foto: Bogenrieder-Kramer

Von Carmen Bogenrieder-Kramer

Mittelbiberach - Als Gastredner im eigenen Schloss hat Albrecht Graf von Brandenstein-Zeppelin über die Hintergründe der Krise der katholischen Kirche referiert, die er zu erkennen glaubt. Er sprach auf Einladung von Margret Biechele, Bezirksvorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CdL), und kündigte seine Ausführungen als "geisteswissenschaftlichen Krimi" an.

Gespannt verfolgten fast 100 Interessierte, was der Graf und Rektor der Gustav-Siewerth-Akademie zu sagen hatte. Der Urenkel des Luftschiffbauers plauderte aus seiner Familiengeschichte und verknüpfte diese mit theologischen und philosophischen Aspekten. Dabei war etwa zu erfahren, dass nur er, als vorgesehener Erbe einer Burg, von seinen Eltern und einer evangelischen Nanny als Protestant erzogen worden war. Seine Geschwister durften dagegen die erste heilige Kommunion feiern und Geschenke bekommen, er nicht. Deshalb habe er sich schon als Kind gefragt, was der Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten sei. Heute stelle er fest, dass die Krise, in der er die katholische Kirche sieht, mit deren Protestantisierung zu tun habe.

Zur Erläuterung ging Graf Brandenstein auf die Lehre und die Biographie Luthers ein. Er erzählte, dass Luther als Lebemann bekannt gewesen sei und als Student einen Kontrahenten im Degenduell tödlich verletzt habe. Daraufhin sei Luther ins Kloster geflüchtet und habe sich selbst als "Mönchlein wider Willen" bezeichnet. Im Kloster sei Luther zu der Erkenntnis gekommen, dass er gar keine Schuld am Tod des Duellanten trage, weil Gott sein Schicksal vorherbestimmt habe. Gott sei die Einheit von Gut und Böse. Der Mensch könne nicht frei entscheiden. Alles sei von Gott vorherbestimmt. Der Mensch habe keinen freien Willen.

Dieses Gottesbild, das immer weitere Kreise ziehe, habe, so Brandenstein weiter, mit dem der katholischen Kirche nichts zu tun. Denn wenn es keine Unterscheidung von Gut und Böse gäbe, dann sei im Ergebnis alles gut und richtig, Beichten sei nicht mehr erforderlich und Mission nicht mehr gefragt. Genau das sei aber ein Trugschluss. Der Graf bedauerte, dass, wie er findet, der Zeitgeist in die katholische Kirche Einzug gehalten und die Beichte ihren Stellenwert verloren habe. Er ist sich sicher: "Wer gebeichtet hat, fängt an zu strahlen.“

Brandenstein-Zeppelin erklärte, dass der Philosoph Friedrich Hegel ein bekennender Lutheraner war, er ging auf die Lehre von Karl Marx ein und kritisierte die Schriften von Karl Rahner, die zur Hälfte hegelianisch seien und den Priestern während ihrer Ausbildung schwer zu schaffen machten. Graf Brandenstein prangerte eine Gottesvorstellung nach dem Werdensprinzip an. Konkret wendet er sich gegen die Annahme, Gott müsse zuerst das Böse tun, um dann Gutes zu bewirken. Dazu der Graf: "Aus katholischer Sicht hat Gott gar nichts mit dem Bösen zu tun. Gott ist die umfassende Liebe. Er ist unveränderlich, weil die Wahrheit unveränderlich ist.“

Im Biounterricht stirbt der Glaube

Als weitere Ursache dafür, dass die Katholische Kirche nach seinem Dafürhalten in der Krise stecke, machte der Graf die Evolutionstheorie aus. Sie basiere auf dem Werdensprinzip Gottes und gehe deshalb davon aus, dass alles im Werden sein müsse, wenn Gott im Werden ist. "Aber auch das ist falsch", betonte Graf Brandenstein. Evolution nach dem Werdensprinzip habe es nie gegeben. Und weiter: "Jede einzelne Zelle hat 3,4 Milliarden DNA-Bausteine und ist damit hoch komplex. In der Natur gibt es nichts Einfaches, alles ist komplex. Es gibt keine nachgewiesene Höherentwicklung." Graf Brandenstein ist von der Schöpfung überzeugt und ist sich sicher: "Bei uns wird auch im Biologieunterricht mit genau dieser Evolutionslehre der Glaube zerstört“.


(Artikel erschienen in der Schwäbischen Zeitung, Ausgabe Biberach vom 28.10.2017)