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Vertreter Taiwans referiert beim CDU-Kreisverband in Ochsenhausen 31.10.18

Vortrag von Prof. Dr. Jhy-Wey Shieh, Taiwans Botschafter in Deutschland zu den gemeinsamen Interessen führender Industrieregionen in Europa und Ostasien.

Am Mittwoch den 24.10.2018 hatte der Bundestagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende Josef Rief den Repräsentanten von Taiwan in Deutschland, Herrn Botschafter Prof.Dr. Jhy-Wey Shieh für einen Vortrag gewinnen können. Vertreter der Wirtschaft, Gewerbetreibende und Mitarbeiter von Unternehmen im Kreis Biberach waren gekommen, um mit dem CDU-Kreisvorstand den Vertreter Taiwans zu hören.


Jhy-Wey Shieh erzählte in seiner lockeren Art von der Geschichte Taiwans, von den chinesischen Einwanderern vom 17. bis 19. Jahrhundert, von der japanischen Besatzung und von der Gründung der Republik China im Jahre 1912. Nach dem 2. Weltkrieg tobte bis 1949 in China ein Bürgerkrieg zwischen den Kommunisten und der Kuomintang-Partei. Nach der Niederlage auf dem Festland setzte General Chiang Kai Shek nach Taiwan über und regierte mit seiner Partei Kuomintang sehr lange nach Kriegsrecht. Erst in den 80er Jahren, setzte eine Demokratisierung ein, die am 14.Juli 1987 zur Aufhebung des Kriegsrechts führte.

Die Insel Taiwan ist in etwa gleich groß wie Baden-Württemberg, hat jedoch 23,5 Millionen Einwohner. Nur 1/3 der Insel ist bewohnbar, der Rest ist Gebirge. Die Bevölkerungsdichte gehört mit ca. 650 Einwohner pro km² zu den 10 dicht be-siedelsten Staaten der Erde.

Seit 2016 stellt die liberale DPP die Staatspräsidentin und den Ministerpräsidenten, im Parlament sind 4 Parteien vertreten. Immerhin ist dies schon der dritte Regierungswechsel seit dem Beginn des Demokratisierungsprozesses. Die Volksrepublik China bekämpft die Unabhängigkeit Taiwans und bezeichnet Taiwan als abtrünnige Provinz, obwohl Taiwan nie ein Teil der Volksrepublik China war. Früher mit Bombardierung der Insel heute mit Repressalien versucht die VR China Taiwan unter Druck zu setzen. Große Seemanöver Chinas rund um die Insel sollen die Bewohner einschüchtern.


Den Abbruch der diplomatischen Beziehungen durch die USA 1978 empfanden die Taiwanesen als "Verrat durch einen langjährigen Freund". Wegen der strategisch günstigen und wichtigen Lage der Insel im pazifischen Meer versucht China in den letzten Jahrzehnten immer wieder Taiwan "einzuschnüren" und Ansprüche an der Insel zu erlangen. Taiwan gelang es jedoch in den letzten Jahren seine Position im pazifischen Raum zu stärken und Allianzen mit den ASEAN-Staaten zu schließen. Malaysia, Indonesien und Vietnam sind die neuen Verbündeten, die eine Annährung suchen, um sich gemeinsam gegen die VR China zu behaupten. Nach Meinung des Vertreters Taiwans hat die Machtpolitik Chinas zu einer starken Militarisierung des Südpazifik geführt.


Zu Deutschland hat Taiwan sehr gute wirtschaftliche Beziehungen. Die Bundesrepublik ist der größte Partner Taiwans in der EU und für Deutschland ist Taiwan der viertgrößte Handelspartner in Asien. Das Handelsvolumen beider Staaten ist größer als das Handelsvolumen Deutschlands mit Kanada. Die Insel hat sich auf IT-Technik und Produkte, Halbleiter und erneuerbare Energieträger konzentriert, bekannte Marken wie Acer, Asus, HTC, Transcend und GIANT kommen aus Taiwan.


Die Republik China auf Taiwan (so der offizielle Namen) legt großen Wert auf Bildung und Ausbildung und hat hochqualifizierte Arbeitnehmer. Die Beziehungen zu Deutschland sind für Taiwan sehr wichtig. Taiwan unterhält in München, in Frankfurt, Düsseldorf und Berlin Vertretungen und Handelszentren.


In seinem sehr interessanten und kurzweiligen Vortrag sprach Herr Prof. Dr. Jhy-Wey Shieh auch von den Risiken, die das Dilemma Taiwans ausmachen, wie das Damoklesschwert der Unfreiheit, welches über der Demokratie in seinem Land hängt. Seine Antworten würzte er jeweils mit Zitaten von deutschen Schriftstellern und Philosophen wie z. B. Thomas Mann. Sehr kenntnisreich spricht er auch über Deutschland, er kennt Deutschland mit und ohne Mauer und er kennt aus eigener Erfahrung Freiheit und Unfreiheit. Immer wieder weist er in seinem Vortrag auf die Notwendigkeit des Kampfes für Freiheit und Demokratie hin. Damit hat er auch die Frage eines noch jungen Zuhörers beantwortet, "Was Deutschland in der Diskussion um Demokratie von Taiwan lernen kann".


Gemeinsamkeiten im Verständnis von Freiheit, gleiches Loyalitätsverständnis und ähnliche Haltung zu Fleiß und Stolz sind Chancen für Mittelständische deutsche Unternehmen, sich erfolgreich im asiatischen Raum zu etablieren. Dazu trägt die Demokratie, die verbesserte Regulierung und die Rechtstaatlichkeit auf Taiwan bei. Die fehlende Rechtstaatlichkeit in der Volksrepublik China, das Einparteiensystem, der Umgang mit kritischen Menschen und das Massaker 1989 auf dem Platz des himmlischen Friedens lassen eine engere Kooperation Taiwans mit Chinas in weite Ferne rücken.


Mit seinem Credo: Taiwan ist keine Frage, sondern die Antwort - Taiwan ist nicht ein Teil Chinas, sondern ein Urteil - endete für die über 50 sehr zufriedene Zuhörer der sehr interessante Vortrags- und Diskussionsabend.

(Text von Paul Altenhöfer, Kreispressesprecher)

© Fotos von Matthias Franke

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