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Haser und die CDU präsentieren sich kämpferisch - 13.9.20

Als Landtagskandidat bestätigt - Das sagen Haser und Eisenmann zu den Themen Schule, Verkehr und Egoismus

120 der 123 stimmberechtigten CDU-Mitglieder sprachen sich für Raimund Haser als Landtagskandiaten aus. Foto: Wolfgang Heyer

Von Wolfgang Heyer

Raum Wangen - Mit einer beherzten Rede hat Raimund Haser die CDU-Mitglieder am Samstagabend in der Durlesbachhalle in Reute bei Bad Waldsee überzeugt und ist von 98,4 Prozent der stimmberechtigten Christdemokraten als Landtagskandidat für den Wahlkreises Wangen-Illertal nominiert worden. Eines hat dieser Abend außerdem gezeigt: Die CDU präsentiert sich kämpferisch.


Seit der letzten Wahl 2016 gehört Haser dem Landtag an. Der Weg dorthin hatte es allerdings in sich: Bei der damaligen Nominierungsveranstaltung hatte sich Haser erst im entscheidenden dritten Wahlgang in einem Kopf-an-Kopf-Rennen knapp gegen den Wangener Christian Natterer durchgesetzt. Damals verfolgten rund 600 CDU-Mitglieder die fünfstündige Veranstaltung. In diesem Jahr machten 123 Parteimitglieder von ihrem Stimmrecht Gebrauch, und 120 votierten für den derzeitigen naturschutz-, medien, sowie vertriebenen-politischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. „Das ist der Rückenwind, den ich mir gewünscht habe“, kommentierte Haser das Ergebnis.


Haser sprach sich für eine Wahlfreiheit in allen Lebensbereichen aus. Exemplarisch nannte er die Bereiche Wohnen, Mobilität, Sexualität und Glaubensbekenntnis. „Niemand hat das Recht, dem anderen seine Gesinnung aufzuzwingen.“ Ärzte dürften nicht zu Abtreibungen gezwungen werden. Es dürfe auch niemand von der gesellschaftlichen Debatte mit dem Stempel „rückwärtsgewandt“ ausgeschlossen werden, „nur weil ich ein stinknormales Leben führe, mit meiner Frau verheiratet bin und wir beide - skandalöser Weise - auch noch unser eigenes Kind großziehen“. Damit regte Haser zum Nachdenken an und kritisierte die „Ich, ich, ich“-Gesellschaft, die immer mehr um sich greife. Dieser Dreiklang sei in der Bibel gar nicht zu finden - „außer beim Turmbau zu Babel oder bei Sodom und Gomorra“.


In seine Ausführungen mischte sich zudem Wahlkampf auf Landesebene. So betonte Haser, dass er derzeit „den Weitblick in der Villa Reizenstein schmerzlich vermisst“. So sei ihm auch egal, wo Ministerpräsident Winfried Kretschmann Urlaub macht, wie er es aus Talkshows erfahre. Er wolle vielmehr wissen, wie sich die Zukunft des Landes darstellt. „Es braucht Ideen und kein Blabla“, sagte Haser unumwunden und fügte etwas später in feinstem Wahlkampf-Jargon dazu: „Es ist Zeit für die CDU und eine neue Ministerpräsidentin, es ist Zeit für Susanne Eisenmann“.

Susanne Eisenmann hatte gut lachen. Auch, weil sie eigens einen Kaffee serviert bekam. Foto: Wolfgang Heyer

Diese Unterstützung quittierte die Spitzenkandidatin der CDU Baden-Württemberg mit einem energischen Kopfnicken und rief die Partei ihrerseits - in Zeiten von „Querdenker“-Demonstrationen und einer aus ihrer Sicht zunehmend egoistischen Gesellschaft - dazu auf, „wieder Haltung und Orientierung zu geben“.


Klare Worte fand Eisenmann außerdem zu Verkehrsthemen und ließ wissen, dass sie auch „in 15 Jahren noch Verbrennungsmotoren auf den Straßen haben will“ und sich in Sachen Tempolimit für „einen digitalen Verkehrsfluss“ stark mache, der es ermögliche bei freier Straße auch schnell fahren zu können. Es brauche flexible Lösungen und keine starren Geschwindigkeitsschilder.


Die amtierende Kultusministerin ging zudem auf den Schulstart am Montag und den „neuen Normalbetrieb unter Pandemie-Bedingungen“ ein: „Einen kompletten Lockdown in der Bildung kann es und wird es in Baden-Württemberg nicht mehr geben.“ Und nicht zuletzt müsste der Wirtschaft eine zukunftsfähige Entwicklung ermöglicht werden - auch mit finanzieller Unterstützung des Landes.


Doch der Abend hatte noch mehr zu bieten. Wer dachte, dass die Wahl der Ersatzbewerberin Silke Reitsam-Surbeck (113 Ja-Stimmen bei 121 abgegebenen Stimmen) nur eine Randnotiz Wert sei, sah sich während der inhaltsstarken Rede eines Besseren belehrt. Die Amtzellerin wusste ihre Redezeit geschickt zu nutzen und sah die Diskussion um eine Frauenquote bei der Kanzlerkandidaten-Frage weitaus unkritischer als die Tatsache, dass Baden-Württemberg als zweitgrößter CDU-Landesverband gar keinen eigenen Kandidaten stellt.


Und auch zu Eisenmann traf sie eine vielbeachtete Aussage: „Sie hat eine Klarheit, die manchen ruppig erscheint, und sie stellt Ansprüche an sich und die Bürger.“


Einig waren sich alle Sprecher an diesem Abend darin, dass für die freiheitlich demokratischen Werte eingestanden werden müsse - auch unabhängig von der Landtagswahl am 14. März 2021. „Wir müssen zusammenhalten - auch gegen Corona-Leugner“, sagte Josef Rief, Bundestagsabgeordneter und Kreisvorsitzender der CDU im Landkreis Biberach. Er sorgte außerdem für den Lacher des Abends, als er die Zuhörer wissen ließ, dass eine Helferin eigens nach Hause gegangen war, um dort einen Kaffee für die Kultusministerin zuzubereiten, weil dies in der Halle nicht möglich war.


Zum Wahlkreis 68 Wangen-Illertal gehören: Achberg, Aichstetten, Aitrach, Amtzell, Argenbühl, Aulendorf, Bad Waldsee, Bad Wurzach, Bergatreute, Isny im Allgäu, Kißlegg, Leutkirch im Allgäu, Vogt, Wangen im Allgäu und Wolfegg des Landkreises Ravensburg und die Gemeinden Berkheim, Dettingen an der Iller, Erolzheim, Kirchberg an der Iller, Kirchdorf an der Iller, Rot an der Rot und Tannheim des Landkreises Biberach.

Copyright Schwäbische Zeitung - Ausgabe Wangen vom 14.09.2020

Weitere Fotos

© Fotos von Marc Zinser

© 2003 - 2020 CDU-Kreisverband Biberach

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